Schwerpunktkontrollen auf den Linien der BSAG: Muss dass sein? Ist das Kundenfreundlich? Sind Fahrgäste potentielle Kriminelle? Hat die Bremer Polizei zu wenig zu tun?

Schwerpunktkontrollen machen aus Fahrgästen potentielle Kriminelle! Normale Fahrkarten-Kontrollen gehören dazu! Aber dieses Konzept der Schwerpunktkontrolle ist doch einfach nur blöd. Und dann fühlen sich die Kontrolleure der BSAG auch noch angegriffen, wenn man sagt „das ist doch blöd“ (das Konzept – nicht der Kontrolleur). Geht man so mit zahlenden Kunden um? Hat die Bremer Polizei zu wenig zu tun?

Bin letztens tatsächlich mal in eine Schwerpunktkontrolle reingeraten der BSAG. Diese wird wohl mit der Polizei in Zusammenarbeit durchgeführt. Wie läuft dies ab:

  • Die Strassenbahn hält an und bleibt einfach stehen (keine Durchsage)
  • Die Kontrolleure machen ihren „Job“
  • Solange wartet halt die Strassenbahn an der Haltestelle
  • Draussen wartet die Polizei
  • Zeitverlust 3-5 Minuten, was dann leider für den Anschluss nicht mehr reicht.

Begründung: Bei normalen Kontrollen (Kontrolleure machen Ihren Job während Sie in der Bahn mitfahren) kommt es wohl vor, dass der ein oder andere Schwarzfahrer doch mal durchschlüpft.

Muss dass wirklich sein, dass man normale zahlende Fahrgäste “festhält”? Normale Kontrollen gehören dazu! Aber dieses Konzept ist doch einfach nur blöd. Und dann fühlen sich die Kontrolleure auch noch angegriffen, wenn man sagt „das ist doch blöd“ (das Konzept – nicht der Kontrolleur). Geht man so mit zahlenden Kunden um?

Eine anderer Punkt ist auch – die Polizei hat wohl immer noch recht viel Zeit und viele Beamte. Hier in Bremen ließt man ja häufig, dass es  viele Einbrüche / Überfälle und sonstiges gibt. Aber die Polizei hat immer noch genug Zeit die BSAG zu unterstützen den ein oder anderen bei normalen Kontrollen vielleicht durchschlüpfenden Schwarzfahrer zu fangen! Hurra! Ganz ehrlich die Beamten vor Ort tun mir schon etwas leid – trotz anghäufter Überstunden dann die Jagd nach dem letzten Schwarzfahrer mitmachen zu müssen. Wie gesagt, ich bin für normale Kontrollen (habe schon seit Jahrzehnten eine Dauerkarte) – aber bei diesem Konzept fühl ich mich dann schon auf Verdacht kriminalisiert. Und wenn man schon Kontrollen macht, dann kann man diese ja kurz vor Halt der Straba ankündigen, dann ist mir wenigstens klar warum wir ewig lang an der Haltestelle stehen.

Ein anderes seltsames Konzept ist die Sichtkontrolle. In Bussen steigt man ab 20 Uhr beim Fahrer ein und zeigt die Fahrkarte vor. Aber trotzdem braucht die BSAG noch zusätzlich im Fahrraum eine Überraschungskontrolle. Wäre mal interessant, wie hier die Erfolgsquote ist. Aber auch so kann man natürlich Arbeitsplätze sichern. Zu bezweifeln ist hier ein positiver ROI (mehr Einnahmen als Kosten durch die zusätzliche Kontrolle), da ja schon beim Fahrer kontrolliert – aber eventuell ist dieser ja dazu nicht fähig. Für mich bedeutet dies: Habe die Fahrkarte gerade wieder gut in Geldbeutel und Rucksack verstaut und darf sie wieder rausholen.

Konsequenz: Ich komme zu spät zu meinem Termin. Ganz ehrlich da würde ich lieber ein Euro mehr Fahrgebühren bezahlen – als Arbeitsplätze von Kontrolleuren und Polizisten zu sichern. Die betriebswirtschaftliche Frage bleibt: Rechnet sich das wirklich? Ist das wirklich kundenorientiert. Weitere Konsequenz: Ich frage mich ob die Einsatzplanung bei der Polizei – besonders wenn man die hohen angehäuften Überstunden der Beamte sieht – sich nicht besser auf schwerwiegerende Kriminalität konzentrieren sollte. Weitere Einschätzung von mir: Kontrolleure haben leider keine geschulte Kommunikationskompetenz oder noch besser Eskalationskompetenz. Meine Aussage “das finde ich blöd” (gemeint diese Art der der Kontrolle / dass ich jetzt an der Haltestelle warten muss bis die Kontrolle aller Fahrgäste vorbei ist) hat der Mitarbeiter dies – warum auch immer – als Beleidigung aufgepasst und reagiert mit “Ich hole gleich die Polizei wenn sie mich beleidigen” und “Kümmern Sie sich um Ihre Sachen. Ich mache meine Arbeit” Wahrscheinlich hat er die Kritik an dem Vorgang fälschlich auf sich persönlich bezogen (nach Schulz-von-Thun müsste man ihm wohl eine Missbildung seiner “Ohren” attestieren). Vielleicht schlage ich der BSAG ja mal ein entsprechendes Seminar zur Kommunikationsschulung / Deeskalationstraining vor – dann hätte sich meine verlorene Zeit wenigstens gelohnt.

Mein Vorschlag: Abschaffen von Schwerpunktkontrollen. Und wenn man sie schon macht, dann Mitteilung kurz vor dem Halt der Strassenbahn (Erklärung des Konzept und warum man dies braucht) und danach die zahlenden Fahrgäste belohnen (Ein kleines Tütchen Gummibärchen für die Unannehmlichkeiten  – schliesslich fährt keiner mit der Straba zum Zeitvertreib – sondern in der Regel weil er zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein muss….). Besseres Training (Zuhören, Kommunikation, Deeskalation) für Kontrolleure. Kein Einsatz von Polizisten für Schwerpunktkontrollen – die haben genügend anderes zu tun.

P.S.: Ich bin ein echter Fan von Bus und Bahn – aber an solchen Tagen frage ich mich, ob es nicht doch besser mit dem Auto ist.

Über wilhelmadt

Bildungsmanager bei wisoak professional in Bremen
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